Applied Kinesiology in der Kieferorthopädie: Ganzheitlicher Ansatz zur Diagnose von Kiefer- und Haltungsproblemen

 In Allgemein

In der modernen Zahn- und Kiefermedizin rückt der Mensch zunehmend als Ganzes in den Fokus. Neben Zähnen und Kiefergelenken spielen auch Muskulatur, Körperhaltung und funktionelle Zusammenhänge eine wichtige Rolle. In diesem Kontext begegnen viele Patientinnen und Patienten dem Begriff Applied Kinesiology (AK). Als kieferorthopädische Praxis möchten wir erläutern, was sich dahinter verbirgt, wie diese Methode eingesetzt wird und welchen Stellenwert sie innerhalb einer fundierten Diagnostik haben kann.

Was ist Applied Kinesiology?

Applied Kinesiology ist ein Konzept aus der komplementären Medizin, das sich mit funktionellen Zusammenhängen zwischen Muskeln, Gelenken, Nervensystem und inneren Prozessen beschäftigt. Zentrales Werkzeug sind sogenannte manuelle Muskeltests. Dabei wird geprüft, wie einzelne Muskeln auf gezielte Reize reagieren, etwa auf bestimmte Bewegungen oder Positionen.

Wichtig ist eine klare Einordnung: Die Applied Kinesiology gilt nicht als eigenständiges, wissenschaftlich gesichertes Diagnoseverfahren im medizinischen Sinne. Ihre Ergebnisse sind subjektiv und stark vom Untersucher abhängig. In der Kieferorthopädie kann sie daher ausschließlich ergänzend eingesetzt werden – niemals als Ersatz für etablierte diagnostische Methoden wie Röntgen, Funktionsanalysen oder klinische Befunde.

Zusammenhang zwischen Kiefer, Muskulatur und Körperhaltung

Der Kiefer steht über Muskeln, Faszien und Nerven in enger Verbindung mit dem gesamten Bewegungsapparat. Fehlstellungen im Kieferbereich können sich – zumindest funktionell – auf die Kopf- und Nackenmuskulatur, die Schulterregion oder sogar die Körperhaltung auswirken. Umgekehrt können Haltungsprobleme oder muskuläre Dysbalancen Einfluss auf das Kausystem nehmen.

Vor allem bei funktionellen Beschwerden wie Verspannungen, eingeschränkter Beweglichkeit oder asymmetrischer Muskelaktivität kann eine ganzheitliche Betrachtung zusätzliche Hinweise liefern. Genau hier setzt die Applied Kinesiology an: Sie versucht, mögliche Wechselwirkungen sichtbar zu machen, die in der klassischen Einzelbetrachtung manchmal übersehen werden.

Einsatz bei CMD, Knirschen und Spannungssymptomen

In der kieferorthopädischen Praxis begegnen uns häufig Patientinnen und Patienten mit:

craniomandibulärer Dysfunktion (CMD)
nächtlichem Zähneknirschen oder Pressen
Nacken- und Schulterverspannungen
Spannungskopfschmerzen

Bei solchen Beschwerdebildern kann die Applied Kinesiology genutzt werden, um funktionelle Auffälligkeiten der Muskulatur zu beobachten. Die gewonnenen Eindrücke können helfen, Therapieansätze besser zu priorisieren oder interdisziplinäre Maßnahmen – etwa mit Physiotherapie oder Osteopathie – sinnvoll zu ergänzen.

Kieferorthopädie: Ergänzung zur klassischen Diagnostik

In der Kieferorthopädie basiert jede Behandlung auf bewährten, wissenschaftlich fundierten Verfahren. Dazu gehören die klinische Untersuchung, bildgebende Diagnostik und funktionelle Analysen. Die Applied Kinesiology kann diese Basisdiagnostik nicht ersetzen, wohl aber ergänzen, indem sie zusätzliche funktionelle Aspekte berücksichtigt.

Für uns bedeutet das: Wir nutzen AK nicht isoliert, sondern eingebettet in ein strukturiertes Gesamtkonzept. Ziel ist es, individuelle Zusammenhänge besser zu verstehen – immer mit fachlicher Zurückhaltung und transparenter Kommunikation gegenüber unseren Patientinnen und Patienten.

Vorteile für Patientinnen und Patienten in Preetz

In unserer Praxis in Preetz legen wir Wert auf eine individuelle und ganzheitliche Betrachtung. Der mögliche Nutzen der Applied Kinesiology liegt vor allem in:

einer differenzierteren funktionellen Analyse
besserer Abstimmung kieferorthopädischer Maßnahmen
einer ganzheitlicheren Therapieplanung bei komplexen Beschwerdebildern

Gerade bei funktionellen Problemen kann dieser Ansatz das Verständnis für die eigene Situation verbessern und die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen erleichtern.

Fazit

Applied Kinesiology ist kein Ersatz für klassische Diagnostik, kann aber als ergänzende Methode helfen, funktionelle Zusammenhänge besser einzuordnen. In der kieferorthopädischen Praxis kann sie insbesondere bei CMD, muskulären Beschwerden und Haltungsfragen eine sinnvolle Unterstützung darstellen – vorausgesetzt, sie wird fachlich korrekt, kritisch und verantwortungsvoll eingesetzt.

Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie und Ihre individuellen Fragen und freuen uns darauf, Sie in der kieferorthopädischen Praxis Plathner-Wieck in Preetz persönlich begrüßen und beraten zu dürfen.

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